Netzwerk Neue Wege für Jungs Regensburg
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Hier finden Sie Informationen zum Thema Neue Wege für Jungs.
 

Warum werden Jungs im Sozialbereich gebraucht?

Soziale Berufe werden von Frauen beherrscht, technische von Männern. Trotz vielfältiger Kompetenzen und Interessen von Mädchen und Jungen, ist die Wahl des Berufes nach wie vor traditionell ausgerichtet.

Sozialpädagogen, Erzieher, Krankenpfleger, Grundschullehrer – besonders in diesen sozialen Berufen benötigt es Fachkräfte. Vor allem engagierte Jungen und Männer werden in diesen Bereichen, in denen Menschen wichtige Lebenserfahrungen sammeln und Teile ihres Lebens verbringen, benötigt. So ist bekannt, dass es für Kinder in Kindergärten, Schulen und Tagesstätten wichtig ist, sowohl weibliche als auch männliche Bezugspersonen zu haben. Das gleiche zeigt sich auch im pflegerischen und sozialen Bereich.

Trotz dessen sind Männer in diesen Bereichen stark unterrepräsentiert. So zeigt sich, dass 86,8 % aller Tätigen in der Altenpflege, weiblich sind. Bei den Krankenpflegekräften liegt dieser Wert sogar bei 91,3 %. Noch signifikanter zeigt sich die Situation im erzieherischen Bereich. Dort sind 92,8 % der Berufstätigen weiblich und nur 7,2 % männlich (Statistisches Bundesamt Wiesbaden 2010). 

Dabei bietet der soziale Sektor speziell für Jungen und Männer gute Jobchancen und Berufsaussichten. Zum einen besteht ein expandierter Arbeitsmarkt, dessen Bedarf zunehmend steigt, wie die nachfolgende Statistik auweist.

Stellen in Sozialen Berufen

Diese Entwicklung erweitert das Berufswahlspektrum und eröffnet Jungen und Männern mehr Wahlmöglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt.

Zum anderen ermöglicht eine Erhöhung des Männeranteiles in pädagogischen, pflegerischen und sozialen Bereichen, Jungen und Mädchen mit männlichen Berufstätigen in Kontakt zu kommen und dadurch typische Rollenklischees von Männlichkeit und Weiblichkeit abgebaut werden. Dies zeigt, dass Jungen und Männer im sozialen Bereich gebraucht werden und ihnen bei der Gestaltung dieses Sektors eine wichtige Bedeutung zukommt.



Links zum Thema:

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Melitta Walter: Jungen sind anders, Mädchen auch

Melitta Walter: Jungen sind anders, Mädchen auch. Den Blick schärfen für eine geschlechtergerechte Erziehung. Kösel-Verlag (München) 2005. 240 Seiten. ISBN 978-3-466-30689-3. D: 15,95 EUR, A: 16,40 EUR, CH: 29,10 sFr.

Thema

Anhand konkreter Beobachtungen und unter Berücksichtigung von Erkenntnissen aus der Geschlechterforschung werden Zusammenhänge zwischen alltäglichem Erleben und dem, was uns zu (sozialen) Männern und Frauen macht, aufgedeckt. Wahrnehmungen und Erfahrungen der Autorin, vor allem aus dem Bereich der Arbeit in Kindertagesstätten, können nachvollzogen werden und münden in Anregungen für Veränderung und Erweiterung des Handlungsspielraumes der Geschlechterrollen auf individueller und auf gesellschaftlicher Ebene.

Die langjährige pädagogische Praxis der Autorin und ihr Einsatz für mehr Geschlechtergerechtigkeit münden hier in der Absicht, der Leserschaft die Idee einer größeren Bandbreite von Möglichkeiten der Lebensgestaltung aufzuzeigen. Relevant ist dieses Thema sicherlich für die Erziehung, wie sie im Bereich der Genderpädagogik Anwendung finden kann. Nicht zuletzt steckt auch der gute Wunsch dahinter, dass jede und jeder bei sich selbst anfangen kann, persönliche Einschränkungen durch einengende Geschlechtsrollenvorstellungen fallen zu lassen. Jede/r Leser/in kann überprüfen, wie sehr diese Vorstellungen dem eigenen Wesen entsprechen und wo sich ein Spiel oder eine Änderung lohnen würde.

Aufbau und Inhalt

In ihrem Buch wirft Melitta Walter einen genauen Blick auf diejenigen Faktoren unseres Lebens, die sich für die Unterschiedlichkeit von männlichen und weiblichen Geschlechterrollen verantwortlich zeigen. Die Betrachtungen entsprechen den Themenbereichen der einzelnen Kapitel. Exemplarisch werden hier Zusammenhänge dargestellt und bewertet. Schließlich münden die Ausführungen in Anregungen zu möglicher Neugestaltung sowohl in der Erziehung als auch im alltäglichen Erleben.

Harte Fakten und persönliche Erfahrungen wechseln sich ab und münden jeweils in Überlegungen zur Veränderung hin zu einer freieren und lebensfreundlicheren Ausgestaltung von Geschlechtsrollenkonzepten. Der Zugang erfolgt über individuell und persönlich nachvollziehbare Beispiele und wagt Spekulationen auf gesellschaftlicher Ebene. So finden wir neben den Inhaltlichen Zusammenfassungen am Ende jedes Kapitels auch Anregungen für entsprechende Ausgestaltungen im Sinne von Gender Mainstreaming.

  • Im Vorwort liefert Melitta Walter Argumente für eine wachsende Sensibilität im Umgang mit der Geschlechtergerechtigkeit.
  • Im ersten Kapitel wird dem Leser / der Leserin angeboten, den Schritt zu wagen, sich in das andere Geschlecht hineinzuversetzen. Es werden ihm/ihr erlebbare Unterschiede vor Augen geführt.
  • Im zweiten Kapitel wird die Bedeutung von Vorbildern erläutert und hinterfragt.
  • Das dritte Kapitel wendet sich den unterschiedlichen Erlebnis- und Spielräumen und deren geschlechtstypischer Besetzung zu.
  • Im vierten Kapitel werden die sportliche Inszenierung der Geschlechter im Allgemeinen, und der Fußball im Besonderen betrachtet.
  • Das fünfte Kapitel ist dem unterschiedlichen Erleben und Gestalten der beruflichen Realitäten von Männern und Frauen gewidmet.
  • Das sechste Kapitel analysiert die Erziehung für den Umgang mit Geld und den damit verbundenen kulturellen und sozialen Rollenvorstellungen.
  • Das siebte Kapitel führt uns die Mechanismen der geschlechtstypischen Sozialisation und die Bedeutung für jeden und jede Einzelne(n) vor Augen und regt zur Beteiligung an einer positiven Veränderung an.

Zielgruppen

Dieses Buch ist für alle geeignet, die sich erzieherisch mit Mädchen und Jungen beschäftigen. Darüber hinaus ist es an alle gerichtet, die sich für das Thema der Geschlechterrollen interessieren und sei es auch nur zum eigenen (legitimen) Vorteil im Sinne persönlicher Entwicklung und Entfaltung.

Kommentar

Mit großem Geschick wurden hier statistische und wissenschaftliche Fakten in einen durchgehend spannend und flüssig geschrieben, gut lesbaren Text eingeflochten. Ganze Passagen sind hier der Wahrnehmungen und Meinungen von Kindern gewidmet und lassen diese sozusagen aus erster Hand zu Wort kommen. Die Zusammenfassungen an den Kapitelenden beschreiben knapp die entscheidenden Inhalte und dienen der jeweils resümierenden Reflexion. Die scheinbar mühelose Stringenz des Textes und die Relevanz der Argumente und Fakten weisen auf die hohe Fachlichkeit der Verfasserin hin.

Fazit

Die Lektüre dieses Buches macht Freude und Appetit darauf, sich an Veränderungen im Sinne der Geschlechtergerechtigkeit und des größeren Handlungsspielraumes der Geschlechter zu beteiligen. Nicht zuletzt deswegen ist es hervorragend auch für EinsteigerInnen geeignet. Die lebensnahe und lebensfrohe Perspektive sticht in erfreulicher und unterhaltsamer Weise aus dem Gros von Veröffentlichungen heraus. Dem Angebot innezuhalten und sich eigener Vorannahmen und Erfahrungen zu stellen, kann man sich kaum entziehen und ist auch gar nicht nötig!

Rezensent
M.A., Dipl. Soz.-Päd. Gregor Prüfer
War mehr als 10 Jahre tätig in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit; Aktiv in der Vernetzung von Jungenarbeit in München seit 1993 (www.netzwerk-jungenarbeit.de), Freiberuflicher Fortbildungsreferent zu Themen der Genderpädagogik und zu Gender Mainstreaming seit 1999. Seit 2005 Mitarbeiter im Münchner Informationszentrum für Männer mit den Schwerpunkten Männerberatung und Gruppenarbeit für Männer mit Gewalthintergrund (www.maennerzentrum.de), seit WS 2008/09 zusätzlich Lehrbeauftragter an der Katholischen Stiftungsfachhochschule für Sozialwesen in München (www.ksfh.de). Seit Januar 2011 außerdem Mitarbeiter am Pädagogischen Institut in München, zuständig für Genderpädagogik und Jungenförderung an den Städtischen Münchner Schulen (www.pi-muenchen.de).





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